Daimler und Renault-Nissan kooperieren

In der Welt-Wirtschaft kriselt es ebenso wie in der Automobilindustrie. Das hält die Firmen Daimler, Renault und Nissan nicht davon ab, gemeinsame Sache machen zu wollen. Die Kooperation, die die drei eingehen werden, erstreckt sich nicht nur über die nächste Generation des smart fortwo und Renault Twingo, sondern umfasst auch die umfangreiche gemeinsame Nutzung von Antriebskomponenten und Entwicklung von zukünftigen Projekten für Pkw und Nutzfahrzeuge.

Zetsche und Ghosn beim Treffen zur AllianzDas Ziel haben die Partner gemeinsam vor Augen: Kosten sparen! Dies wollen sie durch eine gemeinsame Nutzung und Entwicklung von Diesel- und Benzinmotoren aus der Renault-Nissan Allianz erreichen, die zuerst im neuen smart und Renault Twingo und danach nach entsprechender Anpassung auch in Mercedes-Fahrzeugen eingesetzt werden sollen. Und umgekehrt soll zukünftig Daimler-Motoren für Nissans Luxusmarke Infiniti verfügbar sein.

Darüber hinaus haben die Partner auch eine Zusammenarbeit im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge vereinbart. Dazu beteiligen sie sich gegenseitig mit 3,1 Prozent am Grundkapital des jeweiligen Partners.

Offensichtlich hat Daimler im Kleinwagen-Segment fremdes Know-how nötig, denn sonst hätte sich Dr. Dieter Zetsche, der Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter von MERCEDES-Benz Cars nicht wie folgt zu der Kooperation geäußert:”Wir stärken mit dieser Kooperation schnell und nachhaltig unsere Wettbewerbsfähigkeit im Klein- und Kompaktwagensegment und reduzieren zudem unsere CO2-Emissionen. Dabei wissen wir, dass wir auch bei gemeinsamen Architekturen jeweils unterschiedliche und markentypische Produkte entstehen lassen können. Die Markenidentitäten bleiben unberührt.”

Wenn das doch immer alles so einfach wäre. Mit Beteiligungen an anderen Automobilfirmen hat Daimler ja hinreichende Erfahrungen, haben sie doch schon zwei gescheiterte Vernunft-Ehen mit Chrysler und Mitsubishi hinter sich. Und dennoch versprechen sie sich viel von diesem Geschäft.
Dazu Carlos Ghosn, Vorstandsvorsitzender und CEO der Renault-Nissan Allianz: “Durch die heutige Vereinbarung bauen wir unsere strategische Zusammenarbeit aus und erzielen durch den Ausbau und die gemeinsame Stärkung unserer Produktangebote nachhaltige Vorteile für die Renault-Nissan Allianz und Daimler. Wir nutzen alle gemeinsamen Ressourcen noch effizienter, um die innovativen Technologien zu entwickeln, die im kommenden Jahrzehnt unerlässlich sind.”

Daimler hat sich in der Vergangenheit mit Ausnahme des smart auf die Mittel- und Oberklasse-Fahrzeuge konzentriert, und möchte sich nun offensichtlich auch in das Segment der Kleinwagen vorwagen. Da dieser Markt bisher nicht unbedingt als lukrativ gilt, stehen sie vor immensen Startkosten, die sich offensichtlich in der Kooperation, in der es ein einvernehmliches Nehmen und Geben gibt, wirkungsvoll senken lassen, ohne dass man dabei sein Markenimage verwässert.

Die Planungen der drei Partner sind schon recht weit fortgeschritten, So wird etwa die nächste Generation des smart fortwo, ein neuer Viersitzer der Marke smart und der nächste Renault Twingo auf der Basis einer gemeinsamen Architektur entwickelt werden. Jedes Fahrzeug wird sich hinsichtlich seiner Produktgestaltung klar voneinander differenzieren. Die Entwicklungsarbeit dieser neuen Architektur wird auf dem einzigartigen Heckantriebskonzept der aktuellen smart Modelle aufbauen.

Die Markteinführungen der gemeinsam entwickelten Modelle sind ab 2013 vorgesehen. Das smart Werk in Hambach, Frankreich, wird die Produktionsstätte der Varianten mit zwei Sitzen, während das Renault-Werk in Novo Mesto, Slowenien, die jeweiligen Viersitzer fertigen wird. Bereits ab Markteinführung werden die gemeinsam entwickelten Fahrzeuge auch mit einem Elektroantrieb verfügbar sein.

Die Unternehmen haben sich außerdem auf eine enge Kooperation im Segment der leichten Nutzfahrzeuge geeinigt. MERCEDES-Benz-Vans wird in diesem Zusammenhang sein Portfolio ab 2012 um ein komplett neues Einstiegsmodell erweitern, welches für den kommerziellen Einsatz vorgesehen ist. Die technische Basis dieses Stadtlieferwagens wird von Renault stammen, die Produktion des Fahrzeugs erfolgt im Renault-Werk in Maubeuge, Frankreich. Beide Seiten profitieren hierbei von einem zusätzlichen Absatzvolumen, einer verbesserten Kapazitätsauslastung sowie geteilten Investitionskosten. All dies soll zu einer Verbesserung der generellen Kostenstruktur führen. Wir dürfen gespannt sein.

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